Home-Office: Beschäftigte zwischen Zufriedenheit und Zerrissenheit

Nach drei Jahren mit regelmäßigen Erhebungen zum Thema Home-Office sind weiterhin Vor- und Nachteile zu erkennen.

In der aktuellen Home-Office Studie des Liz Mohn Centers und dem Meinungsforschungsinstitut Ipsos wurde ein repräsentativer Querschnitt der Arbeitnehmer:innen in Deutschland zur Wahrnehmung ihrer Arbeitsbedingungen befragt. Die Ergebnisse der Befragungen zeigen seit drei Jahren eine grundsätzlich positive Entwicklung. Doch auch die neuesten Ergebnisse verdeutlichen, dass Risse innerhalb der Belegschaft bestehen, wie zum Beispiel bei der Wertschätzung der Arbeitsleistung, dem Zusammenhalt im Unternehmen oder der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Die positive Bewertung der Arbeit im Home-Office erreicht mit 92 Prozent in 2023 ihren höchsten Wert seit Beginn der Befragung im Dezember 2020 (80 Prozent). Ähnlich optimistisch äußern sich die Befragten zu ihrer eigenen beruflichen Zukunft und der ihres Unternehmens. Mehr als zwei Drittel (67 Prozent) sehen in ihrer Arbeit einen sinnvollen Beitrag für die Gesellschaft.

Anforderungen einer modernen Arbeitswelt

Jedoch besteht noch Verbesserungspotenzial. Denn nur 56 Prozent der Befragten sehen ihr Unternehmen gut für die Anforderungen einer modernen Arbeitswelt gerüstet und 36 Prozent sind nicht oder nur teils mit dem Grad der Flexibilität ihrer Arbeitsbedingungen zufrieden. Auch existieren erhebliche Unterschiede zwischen bestimmten Gruppen: Zum einen können nicht alle Arbeitnehmer:innen Home-Office in Anspruch nehmen. Der Wert der vor Ort-Tätigen, die sich im Vergleich zu ihren Kolleg:innen im Home-Office benachteiligt fühlen, ist mit knapp 22 Prozent aktuell am höchsten. Ausreichende Anerkennung und Wertschätzung spielen hier neben Weiterbildungsmöglichkeiten und Lernchancen eine zentrale Rolle. Zum anderen sind es gerade jüngere Arbeitnehmer:innen (18-24 Jahren) und Frauen, die weniger zufrieden mit der Zusammenarbeit im Team und den Weiterbildungsmöglichkeiten sind.

Nach über drei Jahren offenbart die aktuelle Untersuchung weiteres Optimierungspotenzial. Wie auch in den Vorjahren bleibt weiterhin von Bedeutung, im Rahmen moderner Arbeitsformen aktives Management der Unternehmenskultur zu betreiben und Führungskräfte in der Weiterentwicklung ihrer Rolle zu schulen und zu sensibilisieren. Auch für den Gesetzgeber und die Sozialpartner bietet die aktuelle Situation beim Thema Home-Office noch viele offene Fragen und Handlungsmöglichkeiten. Während zum Teil noch immer Regelungen beim Arbeitsschutz oder Datenschutz im Home-Office fehlen, oder nicht ausreichend definiert sind, müssen die Sozialpartner für sich klären, inwieweit das Home-Office ein Bestandteil der Tarifverhandlungen und Betriebsvereinbarungen sein soll.

Ansprechpartner:innen

Philip Remete
Dr. Jörg Habich