Die aktuellen Debatten über den Neuen Wehrdienst oder einen allgemeinen Pflichtdienst im sozialen Bereich zeigen, dass der individuelle Beitrag junger Menschen zur Gesellschaft immer relevanter wird. Anlass zur Diskussion ist eine veränderte Weltordnung: Unsere Lebensart wird von außen angegriffen wie seit 30 Jahren nicht. Autokratische Kräfte werden stärker und teilen die Welt unter sich auf. Was können Jugendliche tun, um demokratische Werte in Europa zu verteidigen? Junge Menschen stehen vor konkreten persönlichen Lebensfragen: Welchen gesellschaftlichen Beitrag bin ich bereit zu leisten? Wie engagiere ich mich ehrenamtlich? Würde ich Wehrdienst leisten? Ist es gerecht, dass junge Frauen dazu nicht verpflichtet werden können?
Um diese und weitere Fragen zu diskutieren, lud die Liz Mohn Stiftung im Rahmen ihrer Townhall-Konferenz „Generation Global LIVE“ rund 230 junge Menschen aus Schulen der Region in die Stadthalle Gütersloh ein. Die Idee hinter der Konferenz: Jugendliche tauschen sich auf Augenhöhe mit Expert:innen aus und bringen ihre Ansichten in öffentliche Debatten ein. Liz Mohn, Gründerin und Vorsitzende des Vorstands der nach ihr benannten Stiftung, erklärte dazu in ihrer Eröffnungsrede: „Die Herausforderungen unserer Zeit können wir nicht allein lösen. Wir brauchen Dialog, Verständnis füreinander und die Bereitschaft, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen. Das ist auch der Grund, warum wir diese Veranstaltung ins Leben gerufen haben.“
Im Anschluss ordnete Sophie Eisentraut von der Münchner Sicherheitskonferenz mit ihrer Keynote die aktuellen globalen Machtverschiebungen ein und schlug den Bogen zur Lebenswirklichkeit der jungen Generation. „Die Menschen haben das Gefühl, dass die Welt immer unsicherer und unübersichtlicher wird“, sagte sie vor den Schüler:innen aus Gütersloh, Paderborn, Rheda-Wiedenbrück und Rietberg. Das Arena-Format mit einer erhöhten Bühne inmitten des Publikums förderte den direkten Austausch und ermutigte viele Jugendliche, ihre Fragen und Perspektiven in die Diskussion einzubringen.
Auf dem Panel berichteten der Evangelische Militärbischof Bernhard Felmberg und Olav Homburg, Referatsleiter Bundesfreiwilligendienst beim Internationalen Bund, über die unterschiedlichen Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe. Mit auf dem Panel diskutierten Rayhan Butt, Katinka Winkelmann und Marlén Wolfrum aus dem Fördernetzwerk „Generation Global“ der Liz Mohn Stiftung. Im Kontext der Pflicht- oder Freiwilligendienst-Debatte stellten sie vor allem das gesellschaftliche Engagement ihrer Generation ins Zentrum und schilderten ihre persönliche Lebensplanung. Der frisch gebackene Abiturient Rayhan hat sich ab Oktober für den Wehrdienst verpflichtet und berichtete über die Reaktionen aus seinem Umfeld: „Meine Mutter war am Anfang sehr besorgt darüber, dass ich zum Militär gehe.“ Marlén und Katinka erzählten, welchen gesellschaftlichen Beitrag sie leisten: ehrenamtliche Arbeit mit Menschen mit Behinderung sowie Jugendarbeit auf kommunaler Ebene. Die offene und wertschätzende Gesprächsatmosphäre ermutigte viele der anwesenden Schüler:innen, ihre persönlichen Sichtweisen einzubringen. Dabei wurden auch unterschiedliche Positionen respektvoll und konstruktiv diskutiert.
Moderiert wurde die Konferenz auch in diesem Jahr von der TV-Journalistin Nina Moghaddam, die empathisch auf die jungen Menschen und ihre Perspektiven einging. Das Panel und die Beiträge aus dem Publikum waren für sie besonders: „Wir haben es wieder geschafft, uns auszutauschen und unterschiedliche Meinungen auszuhalten.“
Nach der 90-minütigen Dialogveranstaltung gingen die Gespräche an Themen-Tischen im Hochfoyer der Stadthalle weiter. Dort wurden unter anderem die jüngst veröffentlichte Studie „Deutschlands Rolle in der Welt 2026“ präsentiert. Darin wurden die aktuellen Meinungen der 12-bis-18-Jährigen zu außenpolitischen Fragestellungen repräsentativ erfasst. „Generation Global LIVE“ ist das Nachfolgeformat der Konferenzreihe „Zeitenwende on tour“, die in den Vorjahren von der Liz Mohn Stiftung gemeinsam mit der Münchner Sicherheitskonferenz in Gütersloh organisiert wurde.